Dezember 2013: Warum ein Tisch am besten rund sein sollte

Welche Form hat eigentlich ihr Tisch zu Hause? An welchen Tischen sitzen Sie bei der Arbeit oder bei Meetings? Wenn Sie die Wahl haben zwischen runden oder eckigen Tischen zu wählen – wie das zum Beispiel in Restaurants manchmal der Fall ist -, wozu entscheiden Sie sich?

Nun soll dieser Newslettertext nicht die Frage beantworten „Sage mir an welchen Tisch du dich setzt und ich sage dir, welcher Typ du bist“ – obwohl das sicherlich auch eine interessante Fragestellung wäre … Nein: Heute möchte ich Sie zum Nachdenken anregen über den Zusammenhang von Tischform und der damit vorgegebenen Platzwahl und dem miteinander reden.

Bei einem runden Tisch gibt es zum Beispiel keine „Oberhauptsplätze“, hier sitzen alle im Kreis und keiner würde auf die Idee kommen, nach einem Oberhaupt überhaupt zu fragen. Bei eckigen Tischen sitzen die Personen, die an der Stirnseite sitzen am weitesten auseinander und gleichzeitig haben sie den größten Überblick über alle Personen, die mit am Tisch sitzen. Vielleicht stammt daher auch der Name Oberhaupt? Üblicherweise ist das die Chefposition, da alle den direkten Blick auf diese Position auch haben.

Und wie sieht es bei einem runden Tisch aus? Hier könnte jeder Anwesende die Chefposition einnehmen, da es keine ersten oder zweiten Plätze, keine besseren oder schlechteren Plätze gibt. Hier sitzt quasi jeder in der ersten Reihe. Der Gedanke an hierarchische Strukturen taucht hier überhaupt nicht auf. Und das hat meistens auch Auswirkungen auf die Gespräche, die an runden Tischen geführt werden. Das haben wohl auch unsere Politiker erkannt, denn da heißt es ja inzwischen auch oft „runde Tisch-Gespräche“.

Die Tischform unterstützt also das psychologische Gefühl, dass man hier als gleichwertige Menschen zusammensitzt und dass es nicht darauf ankommt einen bestimmten Platz zu ergattern, um in eine bessere Position zu kommen.

Wie schaut es bei ihnen aus im privaten oder beruflichen Bereich? Beobachten Sie sich in dieser Woche doch immer dann, wenn Sie sich hinsetzen, wie das für Sie so ist. Haben Sie einen Lieblingsplatz, an den es sie immer wieder hinzieht? Gibt es eine bestimmte Sitzposition, die sie fast automatisch einnehmen, weil sie sich an dieser Stelle am wohlsten fühlen? Und wie ist dann ihre Perspektive? Sehen Sie dann den Chef im Meeting oder den Trainer bei Seminaren am besten und müssen nicht den Kopf drehen? Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an diesem oder an jenem Tisch sitzen? Gibt es Unterschiede im Erleben?

In Besprechungsräumen passieren manchmal auch merkwürdige Dinge. Manchmal bekommt man zum Beispiel den Platz zugewiesen, ein anderes Mal ist freie Platzwahl. Und wo sitzt ihr Gesprächspartner? Macht dieser von Anfang an deutlich wo er zu sitzen gedenkt, oder ist das völlig offen und er nimmt den Platz ein, der übrig bleibt. Manche Menschen versuchen die größtmögliche Distanz zwischen sich und anderen aufzubauen, andere wiederum suchen die Nähe. Auf jeden Fall sind die Antworten auf diese Fragen aufschlussreich und regen zum Nachdenken über sich und andere an.

Wollen Sie sich auf ein Experiment einlassen? Dann ist mein persönlicher Strubel-Tipp etwas für sie.

Strubel-Tipp:

Aus Platzgründen haben wir einen ovalen Esstisch zu Hause. Diesen machen wir allerdings immer wieder mal ganz bewusst „rund“, in dem wir im Uhrzeigersinn die Plätze wechseln. Als unsere Kinder noch zu Hause wohnten, war das monatlich der Fall und so saß jeder von uns vieren dreimal im Jahr auf dem gleichen Platz und jeder hatte einen Monat lang eine andere Perspektive.
Als Trainerin lege ich ebenfalls großen Wert auf die Kreisform, denn das macht atmosphärisch total viel aus, ob meine Teilnehmer an Tischen sitzen, die manchmal sogar fest mit dem Boden verankert und damit unverrückbar sind. Oder ob ein Stuhlkreis oder Halbkreise gebildet werden kann und jeder zumindest von der Sitzanordnung gleichwertig beieinander sitzt.

Wie immer wünsche ich Ihnen viel Freude beim Ausprobieren!
Ihre Ulrike Strubel