Februar 2014: ”Ich bin sauer!“ – Drei Fragen helfen aus der Wut- und Ärgerfalle

Ich glaube jeder von uns kennt Situationen, in denen er vor Wut toben, rumschreien oder sogar platzen könnte. Manchmal ist dieses Druckablassen auch ganz sinnvoll und nützlich, vor allem wenn man dabei Bäume oder Gegenstände (wie den Kühlschränke oder PC) beschimpft.
Doch manchmal geht der Ärger auch davon nicht wirklich weg und dann bin ich in Gefahr in die Wut- und Ärger-Falle zu tappen. Dann gehen uns Gedanken wie diese durch den Kopf:

Wie kann man nur so blöd sein! Bin ich denn nur von Deppen umgeben? Das gibt’s doch wohl nicht, das kann doch jedes Kind, warum stellen die sich so an?!

Oft richten sich solche destruktiven Gedanken auch gegen sich selbst:
Mensch, warum hast du dem denn nicht gleich die Meinung gesagt, warum hast du dir das bieten lassen? Da bist du selbst dran schuld, dass man so mit dir umgeht, da brauchst du dich mal gar nicht zu wundern,…

Solche Gedanken halten sich oft hartnäckig und lassen einem nicht mehr los. Das kann tagelang so gehen und manchmal dreht die Gedankenmühle auch in der Nacht noch ihre Kreise. Man sitzt im wahrsten Sinne des Wortes in der Falle.

Was ist also günstiger, wenn sich der erste Ärger meldet?

Mein erster Tipp lautet: Bewusst die Stopp-Taste drücken, sobald Sie merken, dass die Gedanken immer wieder ums Gleiche kreisen, dass Sie quasi zum Gefangenen Ihrer Gedanken werden oder aus dem Ärger-Wut-Strudel nicht herauskommen. Sagen Sie am besten sogar LAUT „Stopp!“, wenn Sie alleine sind und keiner in Hörweite ist. Ansonsten funktioniert es auch innerlich.

Dann kommen hier drei hilfreiche Analyse-Fragen, die für den nötigen Abstand sorgen

1. Bin ich wütend auf mich selbst?
Bin ich zum Beispiel ruhig geblieben und habe meinen Mund nicht aufgemacht und nun ärgere ich mich darüber, dass mir erst im Nachhinein etwas eingefallen ist, was ich hätte sagen können? Oder bin ich wütend, weil ich etwas gesagt habe, das mir nun leid tut und das ich mit Abstand betrachtet besser nicht gesagt hätte? Oder bin ich wütend auf mich selbst, weil ich einen Fehler gemacht habe und diesen nun gebetsmühlenartig mir immer wieder vorhalte?

2. Bin ich wütend auf den anderen?
Oder hat mein Gegenüber mit seinem Verhalten Wut und Ärger bei mir ausgelöst und ich mache ihn in Gedanken fertig mit Sätzen, die er besser nicht hören soll? Hat er oder sie etwas bei mir ausgelöst, das ich ihm oder ihr nun nachtrage im wahrsten Sinne des Wortes und das mich immer tiefer in die Ärger-Falle führt?

3. Bin ich wütend auf die Situation, die Umstände?
Auch das kann ziemlich wütend machen. Dass man sich in Situationen befindet, die man einfach so nicht möchte, die einfach blöd sind und nur Stress verursachen. Man hätte es gerne anders als es ist, weiß aber nicht wie und reagiert mit Wut und Ärger.

Diese Analyse-Fragen helfen dabei den inneren Abstand zu finden, der bei Wut- und Ärger-Situationen hilfreich ist um wieder ins innere Gleichgewicht zu kommen und klarer zu sehen. Sie unterbrechen das sinnlose Sich-im-Kreis-drehen und verhindern das schädliche Reinsteigern.

Mein persönlicher Strubel-Tipp:
Lange Zeit hing bei mir im Flur ein Zitat, das lautete: „Man kann sich den ganzen Tag ärgern – aber man ist dazu nicht verpflichtet!“ Immer wenn ich daran vorbeigelaufen bin, musste ich schmunzeln und habe innerlich gedacht: Ja, das stimmt, ob ich mich ärgere oder nicht, das ist ganz alleine meine Entscheidung. Und ich entscheide mich jetzt, mich nicht zu ärgern, denn keiner zwingt mich dazu – außer ich selbst:-)
Vielleicht begleitet dieser Satz auch Sie ab heute und hilft Ihnen dabei nicht in die Wut- und Ärger-Falle zu tappen.

Ärgerfreie Grüße von
Ulrike Strubel