Systemische Familientherapie

Systemische Familientherapie – Was ist das eigentlich genau?

Die Familie ist in der systemischen Familientherapie ein eigenständiges System, das sich selbst organisiert und dabei bestimmten Strukturen folgt. Jedes Familienmitglied beeinflusst mit seinem Verhalten das ganze System, was sich vergleichen lässt mit einem Mobile. Reagiert ein Mitglied der Familie mit einer Auffälligkeit, wird er zum sog. Symptomträger, der damit auf eine Dysbalance im Gesamtsystem aufmerksam macht. Die systemische Therapie lehnt den Begriff oder die Diagnostik einer Störung oder gar einer psychischen Erkrankung oder Psychopathologie ab. Soziale oder psychische Auffälligkeiten werden als Reaktion auf Probleme oder Anforderungen gesehen, für die das jeweilige Familienmitglied keine oder noch keine adäquate Lösung gefunden hat.

Vorgehensweisen einer systemischen Therapie

Die systemischen Therapie legt großen Wert auf eine genaue Auftragsklärung zwischen Berater/Therapeut und Klient/Kunde. Gemeinsam findet man konkrete Ziele und bei einer länger dauernden Therapie kann es nötig sein, den Auftrag neu zu klären, da sich die Ziele ändern können. Die Erkenntnisse aus der Sitzung sollen vom Klienten über „Hausaufgaben“ in den Alltag übertragen werden, daher gibt es größere zeitliche Abstände zwischen den einzelnen Sitzungen.

Gebräuchliche Techniken und Methoden:

  • Zirkuläre Fragen
    Hier erfragt der Berater/Therapeut den vermuteten Standpunkt Dritter (auch Anwesender) ab. Beispiel: Was glauben Sie? Welches ihrer Kinder würde zuerst anrufen, wenn Sie in Urlaub sind?
  • Skalenfragen
    Damit sollen Unterschiede und Fortschritte deutlich werden.
    Beispiel: Wie groß sind ihre Fortschritte von der letzten zu dieser Sitzung auf einer Skala von 1-10?
  • Positives Konnotieren
    Hier liegt der Berater/Therapeut bewusst den Schwerpunkt auf das Gelungene, auf das Positive.
  • Reframing
    Als schwierig empfundene Situationen werden bewusst umgedeutet, sprich: einen anderen Rahmen gesetzt. Beispiel: Was ist gut daran, dass ihr Kind als faul bezeichnet wird vom Lehrer? Antwort: Es hat sein eigenes Lerntempo.
  • Hausaufgaben
    Individuell gefundene Übungen, die zwischen den Sitzungen zu erledigen sind.
  • Metaphernarbeit
    Der Berater/Therapeut setzt Parabeln und Geschichten ein, um mögliche Widerstände beim Klienten zu umgehen.
  • Ausnahmen finden
    Hier erfragt der Berater/Therapeut ganz gezielt die Ausnahmen vom beklagenswerten Zustand, um deutlich zu machen, dass Situationen sich ändern können, dass sie nicht statisch bleiben.
  • Skulptur
    Damit lassen sich familiäre Beziehungen als Standbild aus Personen im Raum darstellen
  • Einladung
    Weitere Familienmitglieder oder Freunde werden schriftlich vom Berater/Therapeuten eingeladen an einzelnen Sitzungen teilzunehmen
    Forschung und wissenschaftliche Anerkennung

Die systemische Familientherapie ist in den USA und den meisten europäischen Ländern ein staatlich anerkanntes Psychotherapieverfahren. In Österreich erfolgte die Anerkennung bereits 1993. Seit November 2010 ist der erste Ausbildungsgang im Bereich Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie im Vertiefungsgebiet Systemische Therapie zugelassen worden.